
April 2006 - Frühling in Lissabon
Es war einmal, vor langer langer Zeit, da war Portugal eine glorreiche Seefahrernation, und davon und danach zehrt und sehnt man sich in Lissabon heute noch - was man überall im Stadtbild sieht, vor allem in Belém, wo früher die Entdecker zu ihren Reisen aufbrachen. Der Vorort, direkt am Tejo gelegen, hat wunderschöne Bauwerke aus der Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts, viele Häuser sind mit Azulejos - bunten oder blau-weißen Kacheln oder Kachel- bildern- verziert, und ein Ausflug dahin lohnt sich. In der Stadt selbst sind die alten Stadtviertel inzwischen zum Teil saniert, aber in der Alfama und Mouraria gibt es immer noch die schmalen Gassen mit halb verfallenen Häusern. Es ist spannend und macht viel Spaß, sich mit der Straßenbahn Linie 28 aus den 30er Jahren für kleines Geld durch diese Viertel fahren zu lassen, es geht steil bergauf-bergab und die Straßen sind manchmal so schmal, dass zwischen Bahn und Hauswand kaum eine Handbreit Platz ist. Ausgehen kann man gut im Bairro Alto, das mir viel besser gefiel als die künstlich angelegte Disco- und Starbucks-Meile an den Docas. Der modernste Teil Lissabons liegt auf dem Gelände der EXPO 98, wo das zweitgrößte Aquarium der Welt, das Oceanário, steht. Schön an Lissabon ist auch die Möglichkeit, Auflüge in die Nähe zu machen: in die Berge nach Sintra mit Disneyähnlichen Schlössern, oder an den Strand nach Cascais oder Estoril, das man leicht mit der Bahn ab dem Cais de Sodre in einer halben Stunde erreichen kann.
Zum Essen: günstiger als bei uns und Riesenportionen mit viel Fleisch/Fisch und Fritten, aber nicht besonders raffiniert gewürzt und leider kaum Gemüse oder gut angemachter Salat. Lecker sind die kleinen Sahnetörtchen "Pasteis de Belém", und die kleinen Snacks für zwischendurch: kleine frittierte Krabbenbeinchen und frittierte Teigtaschen ("Rissois") mit Fisch- Krabben- oder Fleischfüllung. Probieren sollte man auch mal einen Ginjinha, Kirschlikör, der in winzigen Plastikbechern in kleinen Kaschemmen ausgeschenkt wird, die oft nur 2 Meter breit sind - man erkennt spätestens an den ausgespuckten Kirschkernen auf der Straße, dass man vor einer steht.